GELENKARTHROSEN

Primäre (idiopathische) u. sekundäre (symptomatische)

Eigentlich könnte der Wortteil "Gelen k" entfallen, da "Art hro" ohnehin das gleiche bedeutet.

Bei Gelenkarthrosen handelt es sich vorwiegend um degenerative (= abnut zungsbedingte) Gelenkerkrankungen, hauptsächlich des Gelenkknorpels, die (mit großen Schwankungen) erst mit zunehmendem Alter auftreten. Die häufigste Ursache für Gelenksschmerzen sind Gelenkarthrosen.

Bei den deformierenden
(= verunstaltenden) Gelenkarthrosen (Arthrosis deformans) bestehen chronische, schmerzhafte, zunehmend funktionsbehindernde Gelenk veränderungen infolge eines Mißverhältnisses von Tragfähigkeit und Belastbarkeit. Betroffen sind vor allem das Hüftgelenk und Kniegelenk.

Die verschiedenen Formen:

Man unterscheidet primäre bzw. idiopathische (anlagebedingte) von sekundäre n bzw. symptomatische n Gelenkarthrosen. Die Ursache der primären Form ist (noch) nicht bekannt. Die Ausbildung von sekundären Gelenkarthrosen und die damit verbundenen Arthroseschmerzen kann durch mehrere Faktoren begünstigt bzw. verursacht werden. So z.B. Überlastungen (Kniegelenk e beim Fliesenleger), Vorschädigungen infolge eines Unfalls oder eigenständige Gelenksentzündungen (Arthritiden). Darüber hinaus auch permanente Fehlbelastungen z.B. bei Fehlstellung der Beine (X- oder O-Be ine). 
Zur Prävention
(= Vorbeugung) von Gelenkarthrosen sollten deshalb präarthrotische (= vorausgehende, begünstigende) Deformitäten (= Fehlbildungen) beseitigt werden.

Arth rosen der Unkovertebralgelen ke (= "Halbgelenke" an der Halswirbelsäule zwischen einem Vorsprung der Deckplatte und der Abschlußplatte benachbarter Wirbelkörper), die sog. Unkovertebralarthrose n, auch als Uncarthrose n bezeichnet, können zu Schmerzen in der Halswir belsäule bzw. zu einem Zervikalsyndrom führen.

Arth rosen der kleinen Wirbelgelen ke hpts. im Lendenbereich können zu Rückenschmerzen führen. Man spricht dann von einem sog. Facettensyndrom.

Behandlungsmöglichkeiten bei Gelenkarthrosen:

In den letzten Jahren hat die operative Behandlung der schmerzhaften Gelenkarthrosen große Bedeutung erlangt. Folgende Methoden stehen zur Verfügung:

  • Synovektomie: Die operative Entfernung der Innenhaut der Gelenkkapsel, wenn diese sich immer wieder entzündet und zu sog. Gelenksergüssen führt.
  • Umstellungsosteotomie: Die operative Beseitigung von Fehlstellungen zur Wiederherstellung physiologischer (= natürlicher) Achsenverhältnisse am arthrotisch vorgeschädigten Gelen k.
  • Gelenkersatz durch Endoprothesen aus Kunststoff oder Metall.

Die Behandlung mit Hyaluronsäure hat sich als wirksame Therapie bei von Gelenkarthrosen befallenen Gelen ken etabliert. Speziell für die Behandlung der kleinen Synovialgelenke (= echtes Gelenk, also mit Gelenk spalt, Gelenkkapsel und Gelenkschmiere) gibt es eine Mini-Fertigspritze (1 ml Natriumhyaluronat).

Offenbar haben Menschen mit einem niedrigen Selenspiegel ein erhöhtes Risiko, an Gelenkarthrosen zu erkranken. Das haben Mediziner der University of North Carolina in Chapel Hill herausgefunden. Über ihre Studie an 940 älteren Probanden berichteten Joanne Jordan und ihre Kollegen diese Woche auf der Jahrestagung des American College of Rheumatology in San Diego (Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/wissenschaft/501617.html). Danach müßte eigentlich eine prophylaktische (= vorbeugende) Einnahme von Selen (in jedem Supermarkt erhältlich) die Ausbildung von Gelenkarthrosen zumindest verzögern.

Nicht wenige Patienten mit Schmerzen aufgrund von Gelenkarthrosen kommen zum Schmerztherapeut, weil sie eine Operation vermeiden bzw. zeitlich hinauszögern wollen oder eine Operation aus anderen gesundheitlichen Gründen risikobehaftet ist. Die moderne Schmerztherapie verfügt gerade bei Gelenkarthrosen über hilfreiche Behandlungsmöglichkeiten, die z.T. zu erstaunlichen Resultaten führen.

Schmerzbehandlung bei Gelenkarthrosen:

Medikamentöse Schmerztherapie:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor (z.B. Vioxx®!).
Auch Lumiracoxib (Prexige®) ist ein sog. COX-2-Hemmer.
Dieses Medikament soll sich in der Synovia
(= schleimhaltige, fadenziehende Gelenk flüssigkeit bzw. Gelenk schmiere) anreichern und deshalb für die Schmerztherapie bei Gelen kversch leiß besonders geeignet sein.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden. 
Manchmal sind aber die Schmerzzustände bei Gelenkarthrosen nur mit zentral wirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar. 
Grundsätzlich sollte aber auch bei Gelenkarthrosen eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Art hroseschmerzen wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei schmerzhaften Gelenkarthrosen :
Bei anhaltenden Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden Lokalanästhetikum
(= örtliches Betäubungsmittel) (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockade n. Dabei werden die schmerzhaften Gelen ke wiederholt (stationär bei uns zwei mal täglich) großzügig perikapsulär (= um die Gelenkkapsel herum) infiltriert. 
Schmerzhafte Gelen
ke können auch mit "Zeel" umspritzt werden, was manchen Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen kommt. 
Als nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Ner
ven- bzw. Leitungsblockaden in Frage, in hartnäckigen Fällen auch kontinuierlich mit Katheter*:

Nerven und

 

Nervengeflechte:

zugehörige Gelen ke:

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Plexus brachialis:

Ellenbogen, Hand - und
Fingergelenk
e, mit der retrograd hohen Variante**, oder auch interskalenär***, kann
auch das Schultergelenk erreicht werden

Plexus lumbalis (mittels
     N. femoralis-Katheter):

Hüftgelenk

N. femoralis:

Kniegelenk

N. ischiadicus:

Fußgelenk e

** Einpflanzung am Oberarm und Abstauung während der Katheterfüllung,  *** Einpflanzung des Katheters im unteren, seitlichen Halsbereich

Grundsätzlich  wird das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) jeweils so verdünnt verabreicht, daß nur die Sensibilität (= u.a. Schmerzempfindung) betroffen ist, die Motorik (= Muskelfunktion) aber erhalten bleibt und damit begleitend intensive, gelenkfunktionserhaltende sowie funktionsfördernde krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind, bzw. bei stärkeren Schmerzen durch Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) erst möglich werden. Diese Nervenblockaden haben darüber hinaus einen sehr günstigen Nebeneffekt. 
Durch die gleichzeitige Blockade vegetativer Nervenfaseranteile kommt es im korrespondierenden Gewebebereich zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung, die jedem degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung bei Gelenkarthrosen nicht nur symp
tomatisch (= nicht nur auf die Schmerzen gerichtet), sondern kurativ (= heilend).

Aktuell schreibt die Deutsche Arth rose-Hilfe e.V. dazu:
" Was tun gegen Ar
throse in den
Hüften? Schmer zen in der Hüfte können in vielen Fällen auf Durchblutungsstörungen hinweisen, die sogar zu einem Zusammenbrechen des Hüftkopfs führen kann. Oft entwickelt sich dann eine besonders schwere Ar throse des Hüftgelenks."

*   Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.

Physikalische Schmerztherapie:

  • Neuerdings führen wir für die Knie - und Fuß gelen ke zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis-Therapie durch. Die Unterschenkel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Abhängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im Takt mit dem Pulsschlag) Gefäßtraining, das zu einer erheblichen Durchblutungssteigerung führt und diese ja wirkt Gelenkarthrosen kausal (= ursächlich) entgegen. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken).

Auch eine Elektrostimulation kann bei Gelenkarthrosen eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über dem betroffenen Gelen k aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. 
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Manche Patienten mit Gelenkarthrosen empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls chronische Schmerzen lindern, gleiches gilt für die Wärmekammer
Auch eine Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann sehr hilfreich sein, gleiches gilt für die Hochtontherapie.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei Gelenkarthrosen nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber bei Gelenkarthrosen die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, Gelenkfunktionen zu fördern bzw. zu erhalten.

Andere Maßnahmen zur Schmerzbehandlung:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur (Schmerzakupunktur) nicht unerwähnt bleiben. 
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Bei chronischen arthrosen bedingten Schmerzen ist auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.

Kommt man um eine Operation (künstlicher Gelenkersatz) nicht herum, weil z.B. durchblutungsfördernde Maßnahmen nicht, oder zu spät eingeleitet wurden, so bieten die Methoden der modernen Schmerzbehandlung optimale Voraussetzungen für eine nachfolgende Anschlußheilbehandlung (Anschlußrehabilitation). Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).

Weitere, krankheitsbezogene Schmerzthemen

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Aktualisiert: >19.03.2007</> ku sB
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Q
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R
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